Pferdestärken, neu verhandelt
- vor 5 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Barocke Reithalle, Luxusautomobile, zeitgenössische Kunst: Bei der ersten AURUM Luxury Car Show in der Spanischen Hofreitschule brachte ARTCARE Positionen zusammen, die das Automobil als Statussymbol und Objekt der Begierde befragen, von Ma Jun über Erwin Wurm bis zu jungen Stimmen.
Ende Juni verwandelte der AURUM Motor Club die Spanische Hofreitschule in Wien für zwei Tage in die Bühne seiner ersten Luxury Car Show. Zwischen den Säulen der barocken Reithalle standen Fahrzeuge von Lamborghini, Rolls-Royce, Bentley, Mercedes-Maybach, Alfa Romeo, BMW und Ducati, ausschließlich für geladene Gäste. Für die zeitgenössische Kunst zeichnete ARTCARE verantwortlich. Schon bei zahlreichen früheren AURUM Events, an unterschiedlichen Orten und mit wechselnden Konzepten, hat ARTCARE die jeweiligen Räumlichkeiten mit Arbeiten aufstrebender wie arrivierter Künstlerinnen und Künstler bespielt.

Foto: © AURUM 2026
Das Auto als Objekt der Begierde
Ma Jun's Porcelain Car
In dieser Location und in diesem Zusammenhang fiel die Entscheidung leicht. Wo das Automobil als Objekt der Begierde inszeniert wird, lag es nahe, Positionen zu zeigen, die genau dieses Verhältnis von Ware, Status und Verlangen künstlerisch verhandeln. Für den kuratorischen Schwerpunkt entstand eine Zusammenarbeit mit Alexandra Grimmer und ihrem Team von BMCA (Blue Mountain Contemporary Art). Grimmer, promovierte Kunsthistorikerin und Expertin für zeitgenössische chinesische Kunst, verantwortet das Programm der BMCA, einer in Wien beheimateten Privatsammlung zeitgenössischer chinesischer und europäischer Kunst. Aus dieser Sammlung stammt Ma Juns „Porcelain Car" (2009): eine realitätsgroße, über sechs Meter lange Limousine aus Porzellan, zum ersten Mal in Wien zu sehen. Das Werk geht auf ein Buick-Konzeptauto zurück, das 2002 auf der Automesse in Peking für 30 Millionen Dollar präsentiert wurde, ein einziges Exemplar, eigens für den chinesischen Markt gefertigt. Ma Jun faszinierten dort vor allem die gierigen Blicke der Besucher und die schiere Macht des Kapitals. Da es nur dieses eine Auto gab, beschloss er, auf künstlerischem Weg ein zweites zu schaffen.
Über fünf Monate modellierte er das Fahrzeug aus einem einzigen Stück Ton, einen Vorgang, den er selbst als Performance verstand, bevor der Ton in hartes Material überführt und in den Glasurfarben der Song-Dynastie ausgeführt wurde. Darin treffen für Ma Jun zwei Sprachen aufeinander: das Automobil als Produkt der globalisierten westlichen Moderne, das für Geschwindigkeit, Macht und Status steht, und das Porzellan als frühes chinesisches Exportgut, das für Stille und Eleganz steht und doch ebenso einen hierarchischen Anspruch verkörpert. Anstelle des Nummernschilds trägt das Auto eine ironische Inschrift, die eine kaiserliche Jahresmarke der Yuan-Dynastie imitiert. So folgt das Werk der Logik einer perfekten Fälschung, die den Status ihres Vorbilds zugleich spiegelt und unterläuft.

Foto: © BMCA
Ma Jun wurde in den 1970er Jahren geboren und gehört einer Generation chinesischer Künstler an, die knapp nach den international bekannten Pionieren der zeitgenössischen Kunst in China aufwuchs. Als in den 1990er Jahren das Interesse an Gegenwartskunst im eigenen Land noch gering war, prägten ihn die frühen Erfolge dieser ersten Generation nachhaltig. Aufbauend darauf entwickelte Ma Jun mit seiner Arbeit eine eigenständige künstlerische Position.

Foto: © BMCA

Foto: © BMCA


Karosserie, Konsum und Status
Rund um die großformatige Porzellanskulptur versammelte sich eine Auswahl weiterer zeitgenössischer Positionen, die das Automobil aus je eigener Perspektive befragen. Eine kleinformatige Fassung desselben Wagens stellte der monumentalen Limousine ihr Gegenstück im Kleinen zur Seite.
Von Erwin Wurm war eines seiner „Fat Cars" zu sehen, jene ins Fettleibige verzerrte Karosserie, mit der der Künstler seit Jahren die gesellschaftliche Faszination für Konsum und Status ins Absurde treibt. Zwei überdimensionale Stahlskulpturen steuerte Nikola Milojcevic bei (*1997 in Kraljevo, Serbien), der mit vorgefundenem Material arbeitet und bestehende Industrieobjekte in neue Zusammenhänge überführt, sodass Herkunft und Materialität selbst zum Thema werden. Jakob Veigar Sigurdsson (*1975 in Island, lebt und arbeitet in Wien) war mit Ölmalereien vertreten, deren farbintensive, vielschichtige Bildwelt aus der rauen Natur Islands schöpft. Die Leibnitzer Künstlerin Stefanie Holler (*1988) schließlich zeigte fotorealistische Kohlezeichnungen von Motoren auf Papier: Alltagsmechanik, in geduldiger Handarbeit so präzise übersetzt, dass die Zeichnung auf den ersten Blick mit einer Fotografie zu verwechseln ist.
AURUM Motor Club
Der AURUM Motor Club, das Veranstaltungsformat des Wiener Luxusmagazins AURUM 999,9, gab mit dieser Ausgabe seine erste Luxury Car Show. Das Format war konsequent kuratiert und ausschließlich per Einladung zugänglich, ohne Messehallen-Atmosphäre, dafür mit persönlicher Beratung und Champagnerbegleitung. Die Fahrzeuge präsentierten sich zwischen meterhohen Zypressen und Lobmeyr-Lustern in der barocken Reithalle.
Gezeigt wurden Modelle von Lamborghini, Bentley, Rolls-Royce, DENZA, Mercedes-Maybach, Alfa Romeo, BMW, Range Rover und Ducati. Zu den Höhepunkten zählten der Lamborghini Revuelto, der Rolls-Royce Cullinan, der Bentley Bentayga Hybrid und der Mercedes-Maybach SL 680 Monogramm Series, dazu der brandneue BMW 7er. Der DENZA Z9 GT, dessen Markteinführung erst für 2027 vorgesehen ist, gab einen Ausblick auf die nächste Generation elektrischer Premiumfahrzeuge. Besondere Aufmerksamkeit zog der Alfa Romeo 33 Stradale auf sich, der mit einer Auflage von nur 33 Exemplaren schon heute zu den begehrtesten Sammlerfahrzeugen weltweit zählt. Ducati ergänzte die Ausstellung um edle Motorräder. Der Anspruch ging über die reine Fahrzeugausstellung hinaus: Türen schließen, Materialien fühlen, Lederqualitäten vergleichen, für ausgewählte Modelle konnten sogar Probefahrten vereinbart werden. Ergänzt wurde das Ganze durch Partner aus dem Premiumsegment, darunter das Bett „Grand Vividus" der schwedischen Manufaktur Hästens und die Klaviere von Steinway & Sons.
ARTCARE dankt Reinhard Neussner, Herausgeber des Luxusmagazins AURUM 999,9, für die erneute Einladung.


Fotos: © AURUM 2026


