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Kunst und Gesundheit

  • 11. März
  • 4 Min. Lesezeit

Seit einigen Jahren beschäftigt sich die Forschung intensiver mit der Wirkung von Kunst auf das menschliche Wohlbefinden. Studien aus Medizin, Psychologie und Neurowissenschaften zeigen zunehmend, dass Kunst nicht nur ästhetisc

Was die Wissenschaft über Kunst in medizinischen Räumen sagt


Kunst begegnet uns meist in Museen, Galerien oder Ausstellungen. Doch in den letzten Jahren rückt ein anderer Kontext zunehmend in den Fokus: der Alltag. Immer häufiger wird Kunst bewusst in Arbeitsräume, öffentliche Einrichtungen oder medizinische Umgebungen integriert.

Auch Modelle wie Kunstmiete verfolgen genau diesen Ansatz. Statt Kunst ausschließlich in klassischen Ausstellungsräumen zu zeigen, werden Werke in Räume gebracht, in denen Menschen täglich Zeit verbringen,etwa in Unternehmen, Hotels oder Arztpraxen.


Gerade im Gesundheitsbereich gewinnt diese Idee zunehmend an Bedeutung. Denn Wartezimmer, Behandlungsräume oder Krankenhausflure gehören zu den Orten, an denen Menschen oft längere Zeit verbringen, häufig in Situationen von Anspannung oder Unsicherheit. Die Frage, wie solche Räume gestaltet sind, spielt deshalb eine größere Rolle, als lange angenommen wurde.

Tatsächlich beschäftigt sich seit einigen Jahren auch die Forschung intensiver mit der Wirkung von Kunst auf das menschliche Wohlbefinden. Studien aus Medizin, Psychologie und Neurowissenschaften zeigen zunehmend, dass Kunst nicht nur ästhetischen Wert besitzt, sondern auch messbare Auswirkungen auf Emotionen, Stress und Wahrnehmung haben kann.



Amoako Boafo (L), Derek Robertsund Simon Iurino (R) in der Rudolfinerhaus Privatklinik, 1190 Wien
Amoako Boafo (L), Derek Robertsund Simon Iurino (R) in der Rudolfinerhaus Privatklinik, 1190 Wien




Kunst und Gesundheit: Erkenntnisse aus der Forschung


Der WHO-Bericht zu Kunst und Gesundheit (2019)


Eine der umfassendsten wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2019. Der Bericht “What is the evidence on the role of the arts in improving health and well-being?” analysiert die vorhandene Forschung zum Zusammenhang von Kunst und Gesundheit. Für diese Analyse wurden mehr als 900 wissenschaftliche Publikationen ausgewertet, darunter über 200 systematische Reviews, die wiederum tausende Einzelstudien umfassen. Ziel war es, die vorhandene Evidenz zu verschiedenen Formen künstlerischer Aktivitäten zusammenzuführen - von Musik und Theater bis hin zu bildender Kunst.


Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass Kunst in vielen Bereichen positive Effekte haben kann. Dazu zählen unter anderem:


  • Förderung von mentalem Wohlbefinden

  • Reduktion von Stress und Angst

  • Unterstützung bei der Bewältigung von Krankheiten

  • Förderung von sozialer Teilhabe und Lebensqualität


Besonders relevant für medizinische Räume ist dabei die Erkenntnis, dass auch das passive Erleben von Kunst, etwa das Betrachten von Bildern, positive Effekte auf Stimmung und Wahrnehmung haben kann.







Kunst im Raum:

Fachjournal PLOS ONE (2025)


Neben allgemeinen Untersuchungen zu Kunst und Gesundheit gibt es auch Studien, die sich gezielt mit visueller Kunst in medizinischen Räumen beschäftigen. Eine aktuelle Scoping Review, veröffentlicht im Fachjournal PLOS ONE, untersuchte wissenschaftliche Studien zur Wirkung von Kunst in Krankenhäusern und Gesundheitszentren. Dabei wurden ursprünglich mehr als 25.000 Publikationen gesichtet, von denen schließlich 68 Studien die wissenschaftlichen Kriterien für eine detaillierte Analyse erfüllten.


Die Ergebnisse zeigen, dass visuelle Kunst in Gesundheitsräumen häufig mit einer positiveren Wahrnehmung der Umgebung, geringeren Stresswerten und einem gesteigerten Wohlbefinden verbunden ist. Interessant ist dabei, dass diese Effekte nicht nur Patient:innen betreffen. Auch medizinisches Personal und Besucher:innen profitieren von einer ästhetisch gestalteten Umgebung.

Die Studien legen nahe, dass Kunst dazu beitragen kann, Räume weniger anonym und funktional wirken zu lassen und stattdessen eine Umgebung zu schaffen, die emotional zugänglicher und menschlicher wahrgenommen wird.





 Simon Iurino (*1992 in Bozen, Italien) im Behandlungszimmer der orthopädischen Praxis von Dr. Christian Lhotka (1110 Wien).
Simon Iurino (*1992 in Bozen, Italien) im Behandlungszimmer der orthopädischen Praxis von Dr. Christian Lhotka (1110 Wien).



Neuroästhetik:

Semir Zeki – „Art and the Brain“ (1999)

Eine der grundlegenden wissenschaftlichen Arbeiten zur Verbindung von Kunst und Gehirnforschung stammt vom Neurowissenschaftler Semir Zeki vom University College London. Sein Artikel „Art and the Brain“ gilt als ein frühes Schlüsselwerk der Neuroästhetik und untersucht, wie das menschliche Gehirn visuelle Informationen verarbeitet und warum Kunst für uns eine besondere Bedeutung hat.


Zeki argumentiert in dieser Arbeit, dass sowohl Kunst als auch das Gehirn nach ähnlichen Prinzipien funktionieren. Das visuelle System des Menschen versucht ständig, aus der komplexen und wechselnden visuellen Umwelt stabile Eigenschaften von Formen, Farben oder Bewegungen zu erkennen. Künstler:innen arbeiten oft mit genau diesen Eigenschaften: sie reduzieren, abstrahieren oder verstärken bestimmte visuelle Merkmale, um die wesentlichen Strukturen eines Motivs sichtbar zu machen.

Zeki beschreibt deshalb Kunst als eine Art „Experiment über das Sehen“: Künstler:innen untersuchen intuitiv dieselben Mechanismen, mit denen auch das Gehirn visuelle Informationen verarbeitet. In diesem Sinne kann Kunst als eine Erweiterung der Funktionsweise des Gehirns verstanden werden, weil sie hilft, grundlegende Eigenschaften der visuellen Wahrnehmung sichtbar zu machen. Diese Perspektive führte schließlich zur Entwicklung der Neuroästhetik - eines Forschungsfeldes, das untersucht, welche Gehirnprozesse an ästhetischen Erfahrungen beteiligt sind. Der Begriff selbst wurde Anfang der 2000er-Jahre von Zeki geprägt und bezeichnet ein interdisziplinäres Gebiet zwischen Neurowissenschaft, Psychologie und Kunstwissenschaft.


Heute wird Neuroästhetik genutzt, um zu verstehen, welche neuronalen Prozesse beim Betrachten von Kunstwerken aktiviert werden, wie ästhetische Erfahrungen Emotionen auslösen und warum bestimmte visuelle Strukturen als besonders ansprechend wahrgenommen werden.





Fazit


Die Forschung zu Kunst und Gesundheit steht zwar noch am Anfang, doch die vorhandenen Studien zeigen bereits deutlich, dass ästhetische Erfahrungen einen realen Einfluss auf Wahrnehmung, Emotionen und Wohlbefinden haben können. Gerade deshalb gewinnt die Integration von Kunst in alltägliche Räume zunehmend an Bedeutung. Wenn Kunst nicht nur im Museum, sondern auch in Arbeitsumgebungen, öffentlichen Räumen oder Arztpraxen präsent ist, wird sie Teil des täglichen Lebens. Modelle wie Kunstmiete ermöglichen genau diese Form der Begegnung mit Kunst: Werke werden regelmäßig gewechselt, neue Positionen entdeckt, Räume verändern sich.









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