
Ein Palais öffnet seine Türen
Warum das EST® Hotel Palais Chotek in Wien auf zeitgenössische Positionen setzt,
und was das für junge Künstlerinnen und Künstler bedeutet.



Von der
Wiener Werkstätte
zur Wiener Gegenwart
Vier Etagen, 164 Zimmer, ein Stadtpalais im Stil der Neo-Renaissance: Das EST Hotel Palais Chotek in der Währinger Straße wurde behutsam zu einem Hotel weiterentwickelt, in dem historische Substanz und zeitgenössisches Design ineinandergreifen. Organische Motive, warme Farben, ein an die Wiener Werkstätte erinnerndes Gespür für Mobiliar, Ornament und Material.
In enger Abstimmung mit dem Team des Hauses hat ARTCARE das Hotel über vier Etagen mit zeitgenössischen Positionen ausgestattet, vom historischen Bestand bis in den Zubau, von der Rezeption bis in einzelne Zimmer. Dahinter steht eine Überzeugung, die ARTCARE seit Jahren trägt: Kunst gehört dorthin, wo Menschen sind. Nicht als Ware im Depot, nicht als Investment in einem Zollfreilager, sondern als etwas, an dem man täglich vorbeigeht, das irritiert, gefällt, nervt, bleibt. Der Kunstbetrieb hat lange gut daran verdient, dass Menschen sich vor ihm fürchten: vor dem falschen Satz, dem falschen Preis oder der falschen Frage. Diese Angst ist unbegründet. Kunst wird von Menschen gemacht und kommt zu Menschen. Alles andere ist Beiwerk.

Für aufstrebende Positionen entscheidet sich daran mehr als eine Haltungs-frage: Eine Arbeit im Atelier wird nicht gesehen, eine Arbeit in einem Haus mit internationalem Publikum schon. Förderung beginnt bei der Sichtbarkeit.
Gernot Schmidt-Schmiedbauer
Geschäftsführer ARTCARE
Das Konzept folgt der Architektur. Ein Ensemble, das sich vom Erdgeschoss nach oben entwickelt: Ölmalerei von Alex Ruthner in Rezeption und Bar, fortgesetzt im Spa- und Fitnessbereich im Untergeschoss. Den Schwerpunkt bildet das Foyer. Am monumentalen Stiegenaufgang steht als Blickfang eine goldglänzende Plastik aus geschmolzenen Laborpipetten von Julian Jankovic, ihr gegenüber öffnet sich die Bar mit Möbeln der Wiener Werkstätte und weiteren architektonischen Highlights des historischen Baus: dort ragt die fragile Aluminiumskulptur von Karl Karner empor. In den Seitenflügeln des Foyers hängen mehrfarbige Siebdruckarbeiten aus der Europa Edition von 1997. In den Geschossen darüber, in Fluren, Aufenthaltszonen und einzelnen Zimmern, bestimmen mehrteilige Siebdruckarbeiten arrivierter internationaler Künstlerinnen die Wände. Junge Wiener Positionen und etablierte Namen stehen dabei nicht in getrennten Zonen, sondern nebeneinander unter denselben Bedingungen.

JULIAN JANKOVIC
melting laboratory #2, 2022
Am monumentalen Stiegenaufgang steht als Blickfang eine Arbeit, deren Material eine eigene Geschichte mitbringt: Laborpipetten aus der Zeit der Covid19-Pandemie, millionenfach produziert, einmal benutzt, verworfen. Jankovic schmilzt sie ein und lässt sie zu einer goldglänzenden Form gerinnen, in der das Ausgangsmaterial noch erkennbar ist und zugleich verschwindet. Die Materie bekommt damit eine aktive Rolle bei der Erschaffung ihrer eigenen Form. Was daraus an Zufall und Unkontrollierbarkeit entsteht, versteht der Künstler nicht als Kontrollverlust, sondern als Elastizität innerhalb seines Schaffens.

KARL KARNER
Nufun #2, 2021
Über dem zentralen Kamin der Bar steht eine Arbeit, die ihre Form nicht ganz sich selbst verdankt. Karl Karner, (*1973 in Feldbach in der Steiermark) arbeitet mit experimentellen Gussverfahren, bei denen das Material an der eigenen Gestalt mitschreibt. Was dabei entsteht, erinnert ebenso an vegetative Systeme wie an technische Artefakte und bleibt zwischen Geschlossenheit und Fragilität in der Schwebe. Nufun #2 ragt aus dem Kaminsims auf wie ein Gewächs.
Karner studierte Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Heimo Zobernig und ist zugleich ausgebildeter Kunstgießer. Viele seiner Arbeiten entstehen im Austausch mit der Performerin und Choreografin Linda Samaraweerová; gemeinsam entwickeln sie Formate, in denen Objekte nicht Träger von Form bleiben, sondern als Akteure in choreografierten Situationen auftreten.
GERT VERHOEVEN
Le mince voile de loase, 1999
Gert Verhoeven arbeitet zwischen Skulptur, Malerei, Zeichnung, Video und Performance, ohne sich auf eines dieser Felder festlegen zu lassen. Diese Verweigerung ist Programm: Verhoeven bezieht eine kritische Position gegenüber einer Kunstgeschichte, die er für zu deterministisch hält, und beruft sich dabei auf Marcel Broodthaers' Satz, Magritte sei ein Vater, der seine Kinder frisst. Wer einem Vorgänger folgt, holt ihn nie ein. Seine Arbeiten suchen deshalb nach Auswegen, im Werk wie im Leben, und halten sich von Kategorien und Definitionen fern.
Die dreiteilige Serie im Foyer setzt das im Medium des Siebdrucks fort. Auf Somerset Bütten gedruckt, in einer Auflage von 60, entzieht sich die Bildfolge einer eindeutigen Lesart, so wie der Titel selbst: der dünne Schleier der Oase. Etwas, das Schutz und Verheißung zugleich meint und beides nicht einlöst.


PEDRO CABRITA REIS
Ohne Titel, 1997
Pedro Cabrita Reis zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern Portugals. Bekannt ist er für großformatige Installationen aus industriellen Materialien, Leuchtstoffröhren, Bauholz, Glas, Gipsplatten, in denen Raum, Erinnerung und Wahrnehmung ineinandergreifen. Die dreiteilige Serie im Foyer überträgt diese Auseinandersetzung ins Zweidimensionale und arbeitet mit Fläche, Linie und Zwischenraum. Ohne Titel, wie so oft bei ihm: keine Anleitung zum Sehen.
Cabrita Reis war auf der documenta, der Biennale von São Paulo und der Biennale von Lyon vertreten und bespielte 2003 den portugiesischen Pavillon der 50. Biennale von Venedig.

JULIUS DEUTSCHBAUER
aus Deutschbauer's Pflanzenwelt, 1997

PIA FRIES
Ohne Titel, 1997

JOSEF KERN
Aus fremden Gärten, 1997
Über die drei Geschosse im historischen Bau wie im Zubau bestimmen mehrteilige, mehrfarbige Siebdruckarbeiten arrivierter Positionen die Gänge und Aufenthaltszonen. Vertreten sind unter anderem Britta Huttenlocher, Pia Fries und Josef Kern. Als Serien angelegt, führen sie den Gast über die Länge des Flurs von Blatt zu Blatt.
ALEX RUTHNER
Amelia in Canna Field, 2025
Ruthner's Malerei bewegt sich zwischen Abstraktion und Figuration, mit kräftigen Farben und dynamischen Formen, die ebenso von popkulturellen Referenzen wie von persönlichen Erfahrungen ausgehen. Daniel Richter, Peter Kogler, Albert Oehlen: Alex Ruthner, 1982 in Wien geboren, hat bei einigen der prägendsten Malerpositionen des deutschsprachigen Raums studiert. Nach dem Diplom 2010 an der Akademie der bildenden Künste Wien folgte die Städelschule in Frankfurt.
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ALEX RUTHNER
Planeten, Sterne, Universen, 2018 (L)
Bruno, 2018 (R)
Die beiden Arbeiten im Spa- und Fitnessbereich im Untergeschoss zeigen wild abstrahierte Gras- und Naturlandschaften: Vegetation, die sich in Farbfläche und Geste auflöst, ohne den Bezug zum Motiv ganz preiszugeben.


BRITTA HUTTENLOCHER
Ohne Titel , 1999
Huttenlocher's Werk geht seit den frühen 1990er Jahren von Fotomontagen schneebedeckter Berglandschaften aus. Die Landschaft selbst verschwindet später aus den Bildern, ihre Strukturen bleiben: Hänge, Hügel, abfallende Linien, Abschnitte, die sich vom Betrachter abwenden oder ihm zuwenden.
1962 in Chur geboren und in Winterthur aufgewachsen, studierte die zeitgenössische Künstlerin an der Hochschule für Gestaltung Zürich, an der Academie Minerva in Groningen und an der Jan van Eyck Academie in Maastricht.




Das Palais Chotek in der Währinger Straße 28 wurde im 19. Jahrhundert im Stil der Neo-Renaissance errichtet, zunächst als aristokratische Residenz und Treffpunkt der Wiener Gesellschaft, später als Sitz eines renommierten Tischlermeisters. Seit 2026 wird es von EST Hotels & Residences als Hotel geführt.
Nach mehrjähriger Renovierung wurden Bel Etage und das historische Stiegenhaus im denkmalgeschützten Straßentrakt wiederhergestellt, der heute die Tagesbar beherbergt.164 Zimmer und Suiten, die meisten zum begrünten Innenhof orientiert, dazu Räume für Meetings und Seminare. Die Ringstraße liegt wenige Gehminuten entfernt, die Berggasse 19 mit dem Sigmund Freud Museum um die Ecke.
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Wo beginnt man mit Kunst, wenn man Werke will, aber weder das Risiko noch die Endgültigkeit eines Ankaufs?
Die Kunstmiete dreht die Reihenfolge um. Erst hängt das Werk, dann entscheidet sich, ob es bleibt. Statt einer einmaligen Investition steht eine feste Monatsrate, die für Unternehmen als Betriebsausgabe absetzbar ist, während ein Ankauf steuerlich nichts bringt, weil Kunstwerke in Österreich nicht abgeschrieben werden können.
Der eigentliche Gewinn liegt aber nicht auf dem Konto. Ein gekauftes Bild bleibt an der Wand, auch wenn es längst nicht mehr passt; ein gemietetes kann gehen. Wer sich irrt, korrigiert. Wer sich sicher ist, kauft an.







